Laissez-Faire auf Kult & Tumult
vom 18.09. – 24.10.2020

Jeder von uns ist anders, das ist uns allen klar, und jeder Mensch sucht Anschluss, das wissen wir auch, nicht jeder weiß diesen allerdings zu finden – Subkultur ermöglicht genau diesen Individuen ein Umfeld, welches ihre Werte und Vorstellungen wiederspiegelt.

– Marie Tiefenthaler

Was ist Subkultur überhaupt? Das ist doch sowieso nur Feiern, oder? Dieser Irrglaube ist leider weit verbreitet in (konservativen) Teilen der Gesellschaft. So werden beim Klang des Begriffs Subkultur oft eher negative Assoziationen hervorgerufen – da kommt doch nix Produktives bei rum. Dabei darf man diese Ansicht denjenigen die sie teilen gar nicht mal übelnehmen – immerhin entstammt die Definition von Subkultur ursprünglich der Kriminalsoziologie. Seitdem wurde die Bezeichnung immer unklarer – man ist sich jedoch einig, dass eine subkulturelle Gruppe andere Normen als die der Hauptkultur aufweist, diese Abweichung reicht dabei von Modifikationen bis hin zu ausdrücklichen Gegenpositionen. So richtig fühlen, was Subkultur bedeutet, kann man wohl nur, wenn man Teil von ihr ist – dann spürt man die Akzeptanz der eigenen Werte und Vorstellungen, die Toleranz gegenüber allen Individuen, die sich zu einem großen Ganzen zusammenfügen, die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit in einem Umfeld, in dem die eigenen Interessen widergespiegelt werden.

Eben dieses zuvor fehlende Hineinversetzen in die Subkultur ist nun in der Kulturwerkstatt möglich. Die interaktive Ausstellung „Kult und Tumult“, die noch bis 24. Oktober zu bewundern ist, hat sich das gegenseitige Verständnis von Gesellschaft und Subkultur zur Aufgabe gemacht. Unter dem Motto „Vielfalt braucht Raum“ will sie Menschen aus dem subkulturellen Bereich die Möglichkeit geben, sich durch ihre Kunst vorzustellen – dafür haben zahlreiche Kollektive und Künstler*innen aus Nürnberg eigens für die Veranstaltung Kunstwerke erschaffen. Jede*r soll von diesem Einblick angesprochen werden, auch oder vor allem diejenigen, die sich unter dem Begriff Subkultur nichts vorstellen können.

Kult & Tumult will eine Debatte über die Nutzung von kulturellem Raum in Nürnberg schaffen, die der Ambiguität des Themas gerecht wird – denn eben diese Diskussion darüber war die letzten Jahre nicht gerade leicht. In der Kulturwerkstatt sollen daher so viele Menschen wie möglich ins Gespräch kommen und somit einen Raum für Austausch ohne jegliche Vorurteile schaffen. So können durch Kunst Probleme und Schwierigkeiten thematisiert und konkrete Lösungsansätze kreiert werden – damit in Zukunft besser kommuniziert wird, was Kunstschaffende momentan beschäftigt. Damit wir dadurch neue Wege für eine nachhaltige Zukunft ermöglichen, und vor allem: damit der Diskurs zwischen Politik und Subkultur so weit fortschreitet, dass Kunst überall gefördert wird.

Auch Laissez Faire hat ein Kunstwerk eigens für Kult & Tumult erschaffen, durch welches Betrachtende in eine andere Welt abtauchen können. Es handelt sich um eine selbstgebaute Holzhütte mitten in der Kulturwerkstatt, die ausschließlich aus Material von der Schleuse angefertigt wurde. Sie soll den Geist des Kollektivs einfangen und übermitteln, als eine repräsentative Zusammenfassung des vielfältigen und bunten Kollektivs um die Schleuse herum. Die Ausstellungsecke besteht aus zwei Leinwänden, die genauso wie die Schleuse einen Neuanstrich von den Laissies Valli und Sassi bekommen haben. Die Künstlerinnen setzen sich in ihrer Malerei mit dem Aufeinandertreffen von Subkultur auf die Gesellschaft auseinander: Wie wird sie von dieser aufgefasst, was fängt sie mit ihr an? Ganz im Sinne der Hauptaussage Kult & Tumults soll hier ein Diskurs angeregt werden, der diverser nicht sein könnte.

Neben den Gemälden sehen wir auf der improvisierten Laissez-Faire-Hütte Bilder und Texte rund um die Geschichte der Schleuse und dementsprechend Herausforderungen und Schwierigkeiten, denen sich das Kollektiv im Laufe der Jahre stellen musste. Das Hauptthema der verbesserten Kommunikation von Kunst, Kultur und Politik ist durch die Auseinandersetzung mit der Bunten Liste vertreten. Diese wurde von den Laissies losgetreten und kämpft in der Gemeinde Schwarzenbruck für ein toleranteres und vielfältigeres Miteinander. Außerdem dürfen wir selbst Teil des Kunstwerks werden: Unser Laser-Michel hat interaktive Lichtinstallationen entworfen, die projizierten Wörter regen zum Nachdenken an – wie schaffen wir ein harmonisches alternatives Zusammenleben? Wie kann Subkultur noch mehr aufblühen, und wie können wir alle zusammenhelfen, um unsere künstlerischen Visionen zu verwirklichen? Auf diese Fragen versucht Kult & Tumult Antworten zu finden, indem es einen Begegnungsort für Agierende darstellt und eine Plattform für Diskussionen bietet – in der Hoffnung, gemeinsam so schnell wie möglich Lösungen für die Schwierigkeiten zu entwickeln, die die Subkultur Nürnbergs momentan zu überwinden versucht.

Mitwirkende Kollektive:
Kollektiv Sitara, Kombinat Weichensteller, Fuzzi Kollektiv, Heizhaus, Humus Habitat, Collect Shadar, Osteria Creativa & verschiedene Künstler auf AEG, Simon Oerthel & Phillip Mantei und der Laissez-Faire e.V.

Timetable:

  • 24. September – Nachtleben & Lebensraum: Wie kann gute Kommunikation gelingen und wie kann ein nachhaltiges Nürnberg für alle gestaltet werden?
  • 30. September – Raum für Kultur: Wie kann Raumleerstand für Zwischennutzung ermöglicht werden und wie kann die günstige Nutzung für die kulturelle Szene genutzt werden?
  • 14. Oktober – Politikrunde: Diskussion über Ideen und Lösungsansätze die Subkultur Nürnbergs betreffend
  • 24. Oktober – Abschiedsveranstaltung: Feier mit gutem Essen und regionalen Künstler*innen

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